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Donnerstag - 18. September 2014

Telefon-Pressekonferenz

„Bayer wird ein reines Life-Science-Unternehmen – Trennung von MaterialScience“

Aus den Ausführungen von Dr. Marijn Dekkers, Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Damen und Herren, guten Tag.

Vielen Dank, dass Sie sich so kurzfristig in unsere Konferenz eingewählt haben. Sie haben eben bereits unsere aktuelle Ankündigung erhalten. Wir wollten Sie darüber hinaus auch direkt über die Hintergründe informieren und auch Ihre Fragen beantworten.


(2014-1512-1)

Lassen Sie mich kurz vorab die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Der Aufsichtsrat hat in seiner heutigen Sitzung den Plänen des Vorstands zugestimmt, das MaterialScience-Geschäft abzutrennen und aus Bayer ein reines Life-Science-Unternehmen zu machen.

Die Strategie von Bayer wird darauf ausgerichtet sein, das Unternehmen als weltweit führendes Life-Science-Unternehmen weiterzuentwickeln. Geplant ist die Trennung von unserem MaterialScience-Geschäft durch einen Börsengang, der in den kommenden 12 bis 18 Monaten erfolgen soll.

Ich möchte ganz klar betonen: MaterialScience ist ein Weltklasse-Geschäft. Wir sind davon überzeugt, dass es als selbstständige Einheit das Potenzial hat, langfristig signifikante Werte zu schaffen. Als eigenständiges Unternehmen wird MaterialScience das viertgrößte Chemieunternehmen in Europa sein – mit hervorragenden Aussichten auf nachhaltigen Erfolg im Markt. Durch diesen Schritt wird MaterialScience künftig besser in der Lage sein, die für die Weiterentwicklung des Portfolios benötigten Investitionen zu tätigen.

Bayer wiederum kann künftig die Ressourcen auf die HealthCare- und CropScience-Geschäfte konzentrieren. So entsteht ein global führendes Life-Science-Unternehmen mit umfassender Erfahrung in Wissenschaft und Innovation und der Fähigkeit, diese Expertise für die Verbesserung der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen einzusetzen.

Wir erwarten daher, dass beide Einheiten – Bayer und MaterialScience – von dieser Portfolio-Entscheidung profitieren werden.

Warum also haben wir uns entschieden, diesen Schritt zu machen, und warum jetzt?


(2014-1512-2)

Unser Portfolio wird klar vom Life-Science-Geschäft dominiert – es steuert mehr als zwei Drittel zum Konzernumsatz und fast 90 Prozent zum Ergebnis bei.

Im Jahr 2007 kamen noch 66 Prozent des Umsatzes von HealthCare und CropScience; im vergangenen Jahr hat sich dieser Anteil auf 71 Prozent erhöht. Während die beiden Bereiche vor sechs Jahren 76 Prozent zu unserem bereinigten EBITDA beisteuerten, waren es im vergangenen Jahr 88 Prozent.

Einige bedeutende Entwicklungen der vergangenen Jahre haben unsere Life-Science-Geschäfte zu dem gemacht, was sie heute sind.


(2014-1512-3)

Im Jahr 2010 verzeichneten wir bei Pharma eher bescheidene Wachstumsraten. Wir besaßen allerdings eine vielversprechende Produkt-Pipeline, die sich jedoch erst noch durch erfolgreiche klinische und regulatorische Entwicklungsschritte bis hin zu Markteinführungen beweisen musste. Unsere fünf Produkte, die wir zuletzt neu auf den Markt gebracht haben – Xarelto™, Eylea™, Adempas™, Stivarga™ und Xofigo™ – bewirkten tatsächlich eine deutliche Veränderung unseres Pharma-Geschäfts und haben uns zu einem der am schnellsten wachsenden Pharma-Unternehmen der Welt gemacht. Und wir erwarten, auch weiterhin über dem Markt zu wachsen.

Große Fortschritte macht auch unser OTC-Geschäft, also das Konsumenten-Geschäft mit verschreibungsfreien Produkten: Vor vier Jahren bestand die Herausforderung noch darin, bei fortschreitender Konsolidierung eines stark fragmentierten OTC-Markts unter den führenden Anbietern zu bleiben. Die konsequente Umsetzung unserer Expansionsstrategie in den Wachstumsmärkten in Russland, Brasilien und China sowie die erfolgreiche Nutzung unserer Marke führten zu anhaltenden Marktanteilsgewinnen. Zu dieser Zeit haben wir unser Ziel formuliert, die Nummer 1 im OTC-Segment zu werden. Vor diesem Hintergrund haben wir weiter in das organische Wachstum des Bereichs investiert und außerdem eine Reihe von attraktiven Akquisitionen vorgenommen. Dazu zählt auch die in diesem Jahr angekündigte Übernahme des Consumer-Care-Geschäfts der amerikanischen Merck & Co für mehr als 10 Milliarden Euro.

Diese Übernahme bedeutet, dass wir Johnson & Johnson überholen und einen starken zweiten Platz einnehmen – gleich hinter dem neu entstehenden Joint-Venture von Novartis und Glaxo.

Bei CropScience war es uns zuvor nicht immer gelungen, unser herausragendes Produktportfolio in größere Marktanteile zu verwandeln – wir hatten sogar Anteile eingebüßt. Also haben wir mit einem neuen Management-Team ein neues Vermarktungskonzept entwickelt und umgesetzt, um unsere Forschungs- und Entwicklungskompetenz effektiver in Markterfolge umzusetzen. Wir haben außerdem in den Ausbau unseres Saatgutgeschäfts, in unsere Biologika-Aktivitäten und unsere Technologie-Plattformen investiert. Der Erfolg dieses neuen Ansatzes zeigt sich im organischen Wachstum mit nahezu zweistelligen Steigerungsraten über mehr als drei Jahre in Folge. Und wir haben nun Anzeichen dafür, dass unsere Marktanteile zunehmen.

Jetzt geht es darum, an die strategischen und operativen Fortschritte in unserem Life-Science-Geschäft anzuknüpfen und die positive Entwicklung auch in Zukunft fortzuschreiben. In Zukunft wird es allerdings zunehmend schwieriger, für beide Geschäftsteile – die Life-Science-Bereiche und MaterialScience – unter einem Dach die angemessenen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Die Gründe dafür möchte ich Ihnen jetzt erläutern.


(2014-1512-4)

Wie bereits erläutert, hat unsere Pharma-Pipeline das Unternehmen tiefgreifend verändert. Wir wollen auch weiterhin von unserer exzellenten Forschung profitieren. Unter anderem bedeutet das eine Steigerung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Damit das Life-Science-Geschäft über dem Markt wächst, ist außerdem ein Ausbau der Kapazitäten erforderlich – wie zum Beispiel aktuell bei der beträchtlichen Investition von über 500 Millionen Euro in eine neue Faktor-VIII-Produktionsanlage in Deutschland zu sehen. Und schließlich werden wir weiterhin das organische Wachstum durch gezielte Akquisitionen ergänzen, beispielsweise um Größenvorteile zu erlangen oder um Lücken in unserem Portfolio zu schließen.

Auf der anderen Seite investiert auch MaterialScience erheblich, um mit den Wettbewerbern Schritt zu halten. Die Chemie- und Polymerindustrie hat sich in den vergangenen Jahren strukturell verändert: Neue Wettbewerber sind auf den Plan getreten, enorme Summen wurden in modernste Produktionsanlagen investiert, und der Schiefergas-Boom in den USA verändert die industrielle Landschaft grundlegend. Da sich das Marktumfeld so schnell ändert, wird MaterialScience entsprechend handeln müssen, um den Wettbewerbsvorsprung zu halten. Dies wird beträchtliche Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten, verbesserte Prozesse und ein aktiveres Portfolio-Management erfordern.

Beide Geschäftsteile in einem Bayer-Konzern zu führen, bedeutet heute eine gewaltige Herausforderung für MaterialScience. Denn der Bereich muss immer mit den Life-Science-Geschäften, die beständig bessere Renditen erwirtschaften, um die Finanzierung von Investitionen konkurrieren. Deshalb haben wir entschieden, MaterialScience als eigenständige Gesellschaft von Bayer zu trennen.

Wir sind überzeugt, dass MaterialScience – ausgestattet mit größerer Flexibilität und eigenem Zugang zu Kapital – das Portfolio erfolgreich entwickeln und gestärkt aus dieser Transaktion hervorgehen kann.


(2014-1512-5)

MaterialScience hat eine hervorragende Ausgangsposition. Durch die Selbstständigkeit kann das neue Unternehmen auf der Basis eines starken Fundaments seine Wettbewerbsposition weiter entwickeln.

MaterialScience nimmt führende Marktpositionen ein. Aufgrund der erheblichen Investitionen der vergangenen Jahre kann sich das Unternehmen auf eines der modernsten globalen Produktionsnetzwerke stützen – und auf die Kostenführerschaft und Kundennähe, die dieses Netzwerk bietet.

All das versetzt MaterialScience nun in die Lage, als unabhängige Einheit außerhalb des Bayer-Konzerns agieren zu können. Es gibt mehrere Gründe, warum dieses Geschäft selbstständig besser vorangetrieben werden kann:

MaterialScience hat die Möglichkeit, das Portfolio zu gestalten und weiterzuentwickeln. Der geplante Börsengang eröffnet eigenständige Finanzierungsmöglichkeiten des Unternehmens und erleichtert so die dringend benötigten Investitionen. Durch die Selbstständigkeit können unsere Kollegen von MaterialScience zudem eine Unternehmenskultur entwickeln, die optimal zu diesem Geschäft passt. Geschäftsprozesse und Anreizsysteme können darauf zugeschnitten werden, das Geschäft so effizient wie möglich zu steuern und sich in dieser Hinsicht an den Wettbewerbern orientieren.

Der geplante Börsengang soll MaterialScience in die Lage versetzen, langfristig Wert zu schaffen – für alle Stakeholder.

Lassen Sie mich jetzt kurz die voraussichtliche Zeitschiene und die nächsten Schritte des geplanten Börsengangs erläutern.


(2014-1512-6)

Wir rechnen mit einem Börsengang in den kommenden 12 bis 18 Monaten. Den genauen Zeitpunkt, und welche der möglichen Optionen dabei gewählt wird, entscheiden wir in einem späteren Stadium. Beides wird vom künftigen Geschäfts- und Kapitalmarktumfeld abhängen.

Bis Anfang nächsten Jahres werden wir die rechtliche Trennung vom MaterialScience-Geschäft vorbereiten und umsetzen. Wir werden für beide Unternehmen Pro-forma-Jahresabschlüsse aufstellen und sie prüfen lassen – für Bayer HealthCare und CropScience zusammen sowie für MaterialScience als neues Unternehmen. Wir werden auch die detaillierte Organisationsstruktur für MaterialScience festlegen, um sicherzustellen, dass das Unternehmen als selbstständige Einheit voll funktionsfähig ist.

Wir planen, etwaige Erlöse vor allem in die Weiterentwicklung unserer Life-Science-Geschäfte zu investieren und / oder – im Anschluss an unsere jüngsten Übernahmen von Algeta und dem Consumer-Care-Geschäft von Merck & Co. – in den Abbau unserer Nettoverschuldung.

Ich kann Ihnen versichern: Alle unsere Geschäfte werden ganz normal weiterlaufen, während wir den Börsengang vorbereiten.


(2014-1512-7)

Beide in Zukunft getrennten Unternehmen wären relevante Akteure in ihren jeweiligen Märkten.

Die Gesellschaften des neuen Bayer-Konzerns erzielten im Jahr 2013 einen Pro-forma-Umsatz von 29,3 Milliarden Euro und eine EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen von 24,8 Prozent. Sie werden etwa 99.000 Mitarbeiter beschäftigen, davon 29.500 in Deutschland.

MaterialScience wird nach dem Börsengang etwa 11,3 Milliarden Euro Umsatz erzielen – auch dies ist eine Pro-Forma-Zahl basierend auf 2013. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 9,1 Prozent. Die Belegschaft wird etwa 16.800 Mitarbeiter umfassen, davon rund 6.500 in Deutschland.


(2014-1512-8)

Meine Damen und Herren,

es war uns von Anfang an wichtig, unseren Beschäftigten sowohl bei Bayer als auch bei MaterialScience die erforderliche Sicherheit zu verschaffen, um die bevorstehenden Veränderungen mitzutragen und aktiv zu unterstützen. Wir haben deshalb frühzeitig das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern gesucht mit dem Ziel, die bestehende Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung für beide Unternehmen vorzeitig zu verlängern.

Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat der Bayer AG eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden. Wir haben vereinbart, die bestehende Beschäftigungssicherung um weitere fünf Jahre zu verlängern. Damit sind betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland bis Ende 2020 ausgeschlossen.

In der neuen Beschäftigungssicherung wollen wir auch an viele bewährte Regelungen und Instrumente aus den vorherigen Vereinbarungen anknüpfen. So wollen wir in beiden Unternehmen weiter auf hohem Niveau ausbilden und Zukunftsperspektiven für junge Menschen schaffen. Gleichzeitig haben wir uns verpflichtet, auch in den kommenden Jahren in die deutschen Standorte beider Gesellschaften zu investieren.

Es ist unsere feste Absicht, die Zahl der Beschäftigten in den nächsten Jahren weltweit und in Deutschland stabil zu halten.


(2014-1512-9)

Lassen Sie mich zum Schluss noch einmal zusammenfassen: Wir sind überzeugt, dass die heutige strategische Entscheidung für beide Geschäftsteile positiv ist und ihnen ermöglicht, langfristig Wert zu schaffen:

Bayer wird ein Innovations- und Life-Science-Unternehmen, anerkannt für seine Erfolge in Wissenschaft und Innovation – darauf können wir weiter aufbauen. Unsere Life-Science-Geschäfte agieren in attraktiven Wachstumsmärkten mit hoher Profitabilität. Wir werden unser breites Produktportfolio und unsere starke Markenreputation noch besser nutzen und unser gesamtes Management-Team auf die erfolgreiche Entwicklung unserer Life-Science-Geschäfte konzentrieren.

MaterialScience wird profitieren, indem das Unternehmen – gestärkt durch die signifikanten Investitionen der vergangenen Jahre – seine Wettbewerbsvorteile nun außerhalb des Bayer-Konzerns ausspielen kann. MaterialScience wird über das Know-how verfügen, als unabhängiges Unternehmen erfolgreich zu bestehen. Als viertgrößtes Chemieunternehmen in Europa und mit eigenem Kapitalmarktzugang zur Finanzierung seines Investitionsbedarfs wird das neue MaterialScience-Unternehmen ein Marktführer für Hightech-Polymere bleiben – unter neuer Eigentümerschaft.

Soweit meine Erläuterungen. Wir werden nun gerne Ihre Fragen beantworten.


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.