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Dienstag - 23. Februar 2016

Bilanz-Pressekonferenz der Covestro AG

Aus den Ausführungen von Frank H. Lutz

Finanzvorstand der Covestro AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Vielen Dank Patrick!

Meine Damen und Herren, ich freue mich, mit Ihnen nun tiefer in das vergangene Geschäftsjahr zu blicken. Wir haben trotz all der großen Ereignisse und Veränderungen unser operatives Geschäft 2015 natürlich nicht aus dem Blick verloren. Im Gegenteil – wir waren wirtschaftlich sehr erfolgreich.


(2016-703-1)

Insbesondere die Entwicklung der Absatzmengen im Kerngeschäft stellt einen wichtigen Indikator für unseren Erfolg dar. Vom laufenden Geschäftsjahr an verwenden wir ihn als weitere bedeutende Kennzahl zur Konzernsteuerung. Denn die Veränderungen hier sind, anders als der Umsatz, weniger abhängig von Einflüssen der Rohstoffpreise oder Währungseffekten. Damit ist die Kennzahl besser geeignet zur Beurteilung des Wachstums.

Sie bezieht sich auf die Kernprodukte aus unseren Segmenten Polyurethanes, Polycarbonates und Coatings, Adhesives, Specialties und wird als prozentuale Veränderung der extern verkauften Mengen in Kilotonnen gegenüber dem Vorjahr errechnet.

Übers Jahr gesehen verzeichneten wir eine Zunahme des Mengenwachstums im Kerngeschäft um 2,7 Prozent. Das saisonal eher schwächere vierte Quartal stach sogar mit einem überdurchschnittlichen Plus von 3,3 Prozent hervor.

Beim bereinigten EBITDA haben wir 2015 nicht nur den bereits erwähnten Zuwachs von gut 41 Prozent erzielt; auch unsere Marge verbesserte sich deutlich auf 13,6 Prozent nach 9,9 Prozent im Jahr zuvor. Betonen möchte ich noch, dass in allen vier Quartalen das bereinigte EBITDA jeweils teils deutlich über den Vergleichsperioden 2014 lag.


(2016-703-2)

Meine Damen und Herren, beim näheren Blick auf die Gewinn- und Verlustrechnung ist hervorzuheben, dass sich die Herstellungskosten im vergangenen Jahr trotz negativer Wechselkurseffekte verringerten. Das lag an niedrigeren Rohstoffkosten. Damit gelang uns im Vergleich zum Vorjahr eine Verbesserung der Bruttomarge um 3,6 Prozent.

Die um Sonder- und Währungseffekte bereinigten Fixkosten konnten wir 2015 praktisch stabil halten – obwohl unser Geschäft weiter gewachsen ist.

Um wie gewohnt weitere Innovationen hervorzubringen, haben wir die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um rund ein Fünftel angehoben.

Die allgemeinen Verwaltungskosten zogen um fast 40 Prozent an. Hier machten sich vor allem Sonderaufwendungen für die Konsolidierung von Produktionsstandorten bemerkbar, außerdem Aufwendungen und Erträge in Zusammenhang mit dem Börsengang.

Einfluss auf unsere Kosten hatte insgesamt auch der schwächere Euro – dies schlug mit 357 Millionen Euro auf die Fixkosten durch.

Unser EBIT stieg 2015 um 31,5 Prozent auf 680 Millionen Euro. Ein ähnlich hohes Plus erzielten wir beim Vorsteuerergebnis. Naturgemäß fiel der Steueraufwand bei einer Quote von rund 30 Prozent höher aus als im Vorjahr. Unter dem Strich konnten wir ein um 26 Prozent gestiegenes Konzernergebnis in Höhe von 343 Millionen Euro verzeichnen.


(2016-703-3)

Meine Damen und Herren, insgesamt erfreulich verlief das vergangene Jahr auch auf Segmentebene. In allen drei operativen Segmenten wurden die Absatzmengen gesteigert. Zudem trugen alle Segmente zur starken Gewinnzunahme von Covestro bei. Allein Polycarbonates konnte das bereinigte operative Ergebnis mehr als verdreifachen.

Beginnen möchte ich aber mit unserem größten Segment Polyurethanes. Hier war die Entwicklung erneut volatil. Insgesamt erzielten wir aber 2015 gegenüber dem Vorjahr 1,8 Prozent mehr Mengenwachstum im Kerngeschäft. Das vierte Quartal ragt mit einer Zunahme von 4,9 Prozent heraus, was auch an dem schwachen Vergleichszeitraum des Vorjahres liegt.

Das bereinigte EBITDA von Polyurethanes stieg 2015 im Jahresvergleich um 5,4 Prozent auf 624 Millionen Euro an. Dafür waren vor allem Margenver-besserungen in unserem Polyol-Geschäft verantwortlich, das ja strukturell bedingt relativ robust ist.


(2016-703-4)

Weiter zu unserem Segment Polycarbonates, meine Damen und Herren, das sich 2015 sehr gut entwickelt hat.

Im Kerngeschäft erzielten wir hier ein Mengenwachstum von 5,2 Prozent. Im Jahresverlauf fällt nur das vierte Quartal mit einer Seitwärtsbewegung aus dem Rahmen. Dies ist auf eine eingeschränkte Produktion aufgrund geplanter Anlagenstillstände zurückzuführen.

Das bereinigte EBITDA von Polycarbonates ist von 160 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 560 Millionen im vergangenen Jahr gestiegen – das ist wie gesagt mehr als eine Verdreifachung. Grund für dieses ausgesprochen gute Ergebnis war eine vorteilhafte Angebots- und Nachfragesituation, die uns trotz sinkender Verkaufspreise eine gute Marge ermöglichte.

Im vierten Quartal ging das bereinigte EBITDA im Vergleich zum Vorquartal zwar etwas zurück. Das lag an saisonalen Schwankungen. Die Margen blieben jedoch stabil und bestätigen, was wir schon bei Präsentation unserer Zahlen zum dritten Quartal vermerkt haben: Es handelt sich hier nicht um einen kurzfristigen Anstieg, sondern wir haben eine strukturelle Verbesserung unserer Margen erreicht.


(2016-703-5)

Viel Freude hat uns im vergangenen Jahr auch wieder das Segment Coatings, Adhesives, Specialties bereitet.

Der Umsatz stieg hier um 8,6 Prozent auf rund 2,1 Milliarden Euro – damit haben wir die Zwei-Milliarden-Marke erstmals überschritten. Die Absatzmengen im Kerngeschäft erhöhten sich um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Besondere an CAS ist, dass unsere Produkte hier besonders auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind und deren Produkte wiederum wertvoller machen. Es wird daher unsere erstklassige Forschungsleistung bezahlt und der Mehrwert, den wir bieten. Außerdem schlagen die niedrigen Rohstoffpreise nicht so sehr auf die Preise durch.

Das bereinigte EBITDA des Segments legte um 12,4 Prozent auf 491 Millionen Euro zu. Die Marge liegt für das Gesamtjahr bei 23,5 Prozent und damit nicht nur über Vorjahr, sondern so hoch wie nie zuvor – ein weiterer Rekord.

Der Verlauf des vierten Quartals war beeinflusst von einem geplanten Wartungsstillstand sowie Aufwendungen für Kapazitätserweiterungen in China. Daher ging die Marge im Jahresvergleich zurück.


(2016-703-6)

Meine Damen und Herren, besonderes Augenmerk legt Covestro auf den Free Operating Cash Flow, der neben dem Mengenwachstum im Kerngeschäft eine unserer bedeutenden Kennzahlen zur Konzernsteuerung sein wird.

Was sich in den ersten neun Monaten bereits angedeutet hatte, können wir für das Gesamtjahr nun bestätigen: 2015 konnten wir den Free Operating Cash Flow mehr als verdreifachen auf den Rekordwert von 964 Millionen Euro.

Neben der starken Ergebniszunahme trugen auch Verbesserungen beim Working Capital dazu bei. Hinzu kam, dass unsere Investitionskosten erheblich unter den Abschreibungen lagen.

Das zeigt klar, dass Covestro ein finanziell starkes und durch und durch gesundes Unternehmen ist. Unsere finanzielle Stärke wollen wir nutzen, um frühzeitig unsere Schulden zu tilgen – was uns zur Bilanz bringt.


(2016-703-7)

Zusammenfassung dieser Folie ist erneut: Covestro ist gut aufgestellt. Wir haben aktuell eine solide Eigenkapitalquote von 34 Prozent. Unsere gesamten Finanzverbindlichkeiten belaufen sich auf rund 2,9 Milliarden Euro. In diesem Jahr wollen wir mehr als zwei Milliarden Euro an Krediten an unseren Groß-aktionär Bayer zurückzahlen. Die erste Tranche davon wird im März, die zweite im Juni fällig.

Die Refinanzierung der anstehenden Fälligkeiten ist durch Kreditlinien in Höhe von 2,7 Milliarden Euro bereits gesichert. Zudem planen wir weitere Schritte, um uns langfristig verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten offenzuhalten.

Hervorzuheben sind in der Bilanz zudem neben der bereits erwähnten Verringerung des Working Capital die gegenüber September 2015 leicht gesunkenen Pensionsverpflichtungen. Grund dafür waren vor allem höhere Langfristzinsen in Deutschland.


(2016-703-8)

Meine Damen und Herren, nun noch einige Details zur Nettofinanzverschuldung. Die konnten wir im Jahr 2015 um rund 1,9 Milliarden auf etwa 2,2 Milliarden Euro verringern. Nimmt man die Pensionsverpflichtungen von zirka 1,5 Milliarden Euro dazu, liegt sie beim 2,2-Fachen des bereinigten EBITDA – und damit sogar etwas besser als wir angekündigt hatten.

In diesem Jahr möchten wir die Nettoverschuldung weiter reduzieren. Mittelfristig wollen wir auf das 1,5-Fache des bereinigten EBITDA kommen.

Die Kreditwürdigkeit am internationalen Kapitalmarkt wurde Covestro bereits durch ein Rating der Kategorie Baa2 mit stabilem Ausblick bestätigt, das unser Unternehmen unmittelbar nach dem Börsengang von der Rating-Agentur Moody’s erhielt.


(2016-703-9)

Meine Damen und Herren, angesichts unserer insgesamt sehr erfreulichen Geschäftsentwicklung möchten wir auch das Versprechen wahr machen, das wir zum Börsengang gegeben haben, und unsere Aktionäre vom Start weg mit einer Dividende bedenken. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 3. Mai die Zahlung von 70 Cent je Aktie vor.

Das entspricht einer Dividendenrendite von 2,7 Prozent bezogen auf den Schlusskurs unserer Aktie am 19. Februar dieses Jahres. Insgesamt haben wir die Absicht, 142 Millionen Euro an unsere Anteilseigner auszuschütten. Damit bewegen wir uns am oberen Ende unserer Prognose.

Für das laufende Jahr erwarten wir, die Dividende zu steigern. Geplant ist eine Ausschüttungsquote von 30 bis 50 Prozent des Konzernergebnisses. Und auch mittelfristig wollen wir unsere Aktionäre mit attraktiven Ausschüttungen erfreuen: Unser Ziel ist, die Dividende weiter zu steigern oder zumindest stabil zu halten.

Soweit von meiner Seite, meine Damen und Herren. Ich übergebe nun wieder an Patrick, der Ihnen unsere Prognose 2016 erläutert. Vielen Dank!



Zukunftsgerichtete Aussagen:
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung der Covestro AG beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, welche die Covestro AG und die Bayer AG in veröffentlichten Berichten beschrieben haben. Diese Berichte stehen auf der Covestro-Website
www.covestro.com sowie auf der Bayer-Website www.bayer.de zur Verfügung. Covestro und Bayer übernehmen keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen.