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Freitag - 17. Juni 2016

Eröffnung Produktionsanlage CO2-basierte Polyole

Aus den Ausführungen von Patrick Thomas,

Vorstandsvorsitzender der Covestro AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Vielen Dank, liebes CO2-Trio!

Nun sind wir im wahrsten Sinne des Wortes eingestimmt auf das Thema und die heutige Veranstaltung, zu der ich Sie ganz herzlich begrüße, meine Damen und Herren. Schön, dass Sie hier sind!

Theater. Das ist gemeinhin Illusion. In diesem Fall ist die Illusion aber sehr nahe an der Realität. Denn was uns die Schauspieler in ihrem Stück nahebringen, das ist ein Traum, der wahr geworden ist. Ein Traum, den Chemiker seit vielen Jahren geträumt haben. Ein Traum, der im Grunde uns alle betrifft.

Uns, die wir Jahr für Jahr zusehen müssen, wie Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre steigen – aus Fabriken, Häusern, Autos. Dass dies nicht ohne Folgen für die Umwelt bleibt, ist sicherlich unbestritten.

CO2, das unpopuläre Treibhausgas – so ist gemeinhin die Wahrnehmung. Doch das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit. Denn wie im Theater sich der vermeintliche Bösewicht häufig als Held erweist, so hat auch Kohlendioxid sozusagen zwei Gesichter. Es ist nämlich gleichzeitig ein nützlicher Helfer.

Zum Beispiel lässt Kohlendioxid die Pflanzen wachsen. Wir wissen es ja aus dem Biologieunterricht: CO2 plus Sonnenlicht ergibt Kohlenhydrate, den Baustoff und Energiequell von Blumen, Hecken und Bäumen. CO2 sorgt aber auch für den Sprudel im Mineralwasser, es steckt in Feuerlöschern oder dient als Kühlmittel.

Und mehr noch: CO2 ist auch der Stoff, aus dem die Träume vieler Menschen in meiner Branche sind, der Kunststoffindustrie. 1969 hat zum ersten Mal ein Wissenschaftler aus Japan diesen Traum beschrieben – nämlich das im CO2 enthaltene Element Kohlenstoff zu nutzen, um Kunststoffe herzustellen.

Der große Vorteil: Auf diese Weise lassen sich fossile Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas einsparen, aus denen die Industrie üblicherweise den nötigen Kohlenstoff bezieht. Eine großartige Perspektive also zur Verbreiterung der Rohstoffbasis und zur Ressourcenschonung.

Und heute, nach mehr als vier Jahrzehnten, wird diese Perspektive Wirklichkeit. Dank eines neuen Verfahrens, das wir bei Covestro zusammen mit Partnern entwickelt haben. Und das wir nun umsetzen – in der Produktionsanlage, die gleich offiziell eröffnet wird. Dort werden wir mit CO2 eine wichtige Komponente herstellen, die man für Schaumstoffe in Matratzen und Polstermöbeln benötigt. Bald werden wir auf CO2 schlafen können!

Doch bevor wir auf den Startknopf drücken, möchte ich ganz besonders zwei Ehrengäste begrüßen: Thomas Rachel, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium in Berlin, und Professor Ernst Schmachtenberg, Rektor der RWTH Aachen University. Herzlich willkommen!

Sie verkörpern Wissenschaft und Politik. Und es ist exakt das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Industrie, dem die Verwirklichung des Traums vom alternativen Rohstoff CO2 verdanken ist.

Es ist nämlich alles andere als trivial, das Molekül in Kunststoffe einzubauen. Dazu bedurfte es neben viel Ausdauer, Leidenschaft und Akribie einer wissenschaftlichen Initialzündung. Und es bedurfte der richtigen Rahmenbedingungen.

Diesen Rahmen hat Ihr Haus gesetzt, lieber Herr Rachel. Das Bundesforschungsministerium hat früh das Potenzial erkannt, das in der stofflichen Nutzung von Kohlendioxid in der Chemie- und Kunststoffindustrie steckt. Sie haben dazu ein umfangreiches Förderprogramm aufgelegt und unser Projekt in der Forschungsphase großzügig unterstützt.

Dazu an dieser Stelle noch einmal meinen ganz herzlichen Dank! Und ich freue mich sehr, dass das Thema CO2-Nutzung auch in Zukunft für die Weiterentwicklung des Hightech-Standortes Deutschland eine Rolle spielen soll. Wir sind gespannt darauf, gleich mehr aus Ihrem Munde zu hören.

Lieber Professor Schmachtenberg, Ihnen gebührt Dank für die fruchtbare Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher Ebene. Die RWTH und Covestro betreiben in Aachen gemeinsam das CAT Catalytic Center, eine Forschungseinrichtung, die Wissenschaftler aus aller Welt anzieht. Den Experten dort und unseren eigenen Forschern ist der wissenschaftliche Durchbruch gelungen, der eine effiziente Nutzung von CO2 in der Kunststoffproduktion erst möglich macht.

Verehrte Zuhörer, lassen Sie mich kurz die Herausforderung beschreiben. Kohlendioxid ist bekanntlich das Endprodukt der Verbrennung. Das heißt, es trägt nur noch wenig Energie in sich. Und reagiert daher auch nur schwer mit anderen Substanzen. Man muss ihm quasi erst einen Stups geben.

Für diesen Anstoß, der die chemische Reaktion in Gang bringt, braucht man einen Katalysator. Allerdings nicht irgendeinen. Sondern einen ganz speziellen, maßgeschneidert für genau diese Funktion. Nach diesem Katalysator haben Generationen von Forschern weltweit gesucht.

Auch unsere Experten hatten sich mit den Kollegen vom CAT Catalytic Center in Aachen auf die Suche begeben. Und die war nun endlich von Erfolg gekrönt: Es ist uns gelungen, den richtigen Katalysator zu finden. Das Ergebnis nennt der Chemiker eine „dream reaction“ – eine seltene, traumhafte Reaktion. Daher auch der Name für unser Projekt: Dream Production.

Was machen wir mit dem Katalysator genau? Wir nutzen ihn, um ein Polyol in neuartiger Form herzustellen. Polyole sind jene Vorprodukte, von denen ich zu Anfang gesprochen habe. Das CO2 wird dabei aufgespalten und chemisch fest eingebunden.

Man braucht Polyole, um Polyurethan-Schaumstoff herzustellen – ein vielseitiges Material, das uns an vielen Stellen im täglichen Leben begegnet. Als Dämmstoff in Häusern und Kühlgeräten zum Beispiel oder in Autositzen. Und eben in Matratzen und Polstermöbeln, wofür die speziellen CO2-basierten Polyole konzipiert sind. Rund 20 Prozent Kohlendioxid – so viel ist in diesem Fall sinnvoll – sind darin enthalten, und in dieser Größenordnung können wir Erdöl einsparen.

Bis zu 5000 Tonnen von dem neuen Material wollen wir in der neuen Anlage hier in Dormagen herstellen. Rund 15 Millionen Euro haben wir dafür investiert. Und soviel kann ich verraten: Das Interesse an diesem innovativen Produkt ist groß.

Meine Damen und Herren, dass wir heute soweit sind, ist aber nicht nur der bahnbrechenden Grundlagenforschung und der Flankierung durch das Bundesforschungsministerium zu verdanken. Beigetragen haben auch Industriepartner wie der Energiekonzern RWE. Er hat uns in der Forschungs- und Entwicklungsphase mit CO2 aus einem Kohlekraftwerk in der Nähe versorgt.

Ich möchte aber auch die Leistung von Covestro nicht verschweigen. Kohlendioxid als neuer Rohstoff – das ist auch der Erfolg eines großen Teams aus vielen verschiedenen Disziplinen.

Unter Leitung von Dr. Karsten Malsch haben Ingenieure, Anwendungsentwickler, Marketingexperten und viele andere Hand in Hand gewirkt. Ich freue mich sehr, heute viele von Ihnen begrüßen zu können. Eine tolle Leistung und ein ganz herzliches Dankeschön!

Verehrte Zuhörer, es sind Innovationen wie diese, die Covestro ausmachen. Formal ist unser Unternehmen zwar noch jung – wie Sie wissen, sind wir seit vorigem Herbst eigenständig und an der Börse. Aber im Grunde existiert die Firma schon Jahrzehnte und hat immer wieder Erfindungen hervorgebracht.

Neben neuen Herstellungsprozessen wie unserem CO2-Verfahren sind dies neue Produkte. Ein extrem wirksamer und superleichter Dämmstoff aus Polyurethan zum Beispiel. Er kommt auch in dem Flugzeug Solar Impulse zum Einsatz, das ja derzeit ganz ohne Treibstoff die Erde umrundet. Ohne diesen Dämmstoff könnte der Pilot in dem kleinen Cockpit nicht überleben.

Wie bei Solar Impulse, so gehen auch bei Covestro Innovation und Nachhaltigkeit miteinander einher. Und eben darauf gründet unser Daseinszweck: To make the world a brighter place – die Welt lebenswerter machen.

Meine Damen und Herren, Innovation und Nachhaltigkeit – dieses „dream team“ hat auch den Erfolg in der CO2-Nutzung bewirkt und die neue Technologie hervorgebracht, die wir künftig unter den Namen „cardyon“ vermarkten.

Das Verfahren ist nicht nur umweltverträglicher als die konventionelle Produktionsweise. Vor allem – und das möchte ich noch einmal betonen – sparen wir die knappe Ressource Erdöl ein und verbreitern unsere Rohstoffbasis.

Verbreitern wollen wir auch unsere Produktpalette. Unsere Forscher arbeiten daran, neben Weichschaum noch andere Kunststoffe mit CO2 von herzustellen. Und sie tüfteln an weiteren Verfahren, um den Anteil an Kohlendioxid noch zu erhöhen.

Sie sehen, meine Damen und Herren: Die Dream Production wird Wirklichkeit. Aber der schöne CO2-Traum ist noch lange nicht ausgeträumt.

Und damit übergebe ich das Wort an Herrn Staatssekretär Rachel, den ich nun auf die Bühne bitte.


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung der Covestro AG beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, welche die Covestro AG in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Covestro-Website www.covestro.com zur Verfügung. Covestro übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.