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Dienstag - 9. Dezember 2014

Inbetriebnahme der TDI-Anlage in Dormagen

Aus den Ausführungen von André van Broich

Vorsitzender des Betriebsrats Bayer – Standort Dormagen, Mitglied im Aufsichtsrat der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)

(2014-1517)


Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Kraft,
Sehr geehrter Herr Landrat Petrauschke,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lierenfeld
Sehr geehrter Herr Dr. Dekkers,
Sehr geehrter Herr Thomas,
Sehr verehrte Damen und Herren,
Sehr geehrte Vertreter der Presse,

in den letzten Wochen ist viel über die Bayer AG im Allgemeinen und über
MaterialScience im Besonderen gesprochen und geschrieben worden.

Bayer wird sich künftig ausschließlich auf die Life-Science-Geschäfte fokussieren, mit einem höheren Risiko und damit verbundenen höheren Renditeerwartungen.

Bayer MaterialScience wird sich künftig stärker dem Chemiewettbewerb stellen müssen und hoffentlich als eigenständiges DAX-Unternehmen im Markt agieren.

Bayer ist damit nicht mehr Bayer. Beide Unternehmen werden mit dieser Entscheidung ein anderes Gesicht erhalten. Insofern ist dies eine Entscheidung von epochaler Bedeutung, die wir im Aufsichtsrat – nicht nur in der Septembersitzung – sehr intensiv diskutiert und als Arbeitnehmervertreter gründlich hinterfragt haben.

Viele Kolleginnen und Kollegen sind mit Bayer über Generationen hinweg eng verbunden. Insofern ist diese Entscheidung ein schmerzlicher Schritt, künftig für ein anderes, unabhängiges Unternehmen zu arbeiten.

Im Aufsichtsrat der Bayer AG hat diese strategische Entscheidung des Vorstandes dennoch die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter gefunden.

Das konnten wir darum tun, weil uns betriebswirtschaftlich ein nachvollziehbares Konzept vorgelegt worden ist und gute personalpolitische Startbedingungen für die beiden künftigen Unternehmen und ihren Beschäftigten vereinbart werden konnten.

Unternehmen und Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Bayer AG haben mit der genannten strategischen Entscheidung die Verlängerung der Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung bis Ende 2020 festgeschrieben.

Diese Vereinbarung ist sowohl bei den Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen als auch in der Öffentlichkeit überaus positiv aufgenommen worden.

Mit Recht, denn durch diese Vereinbarung werden betriebsbedingte Kündigungen für sechs Jahre ausgeschlossen, Arbeitsplätze und Ausbildungsplatzzahlen gesichert bzw. erhöht und damit Planungssicherheit für die Beschäftigten über einen langen Zeitraum geschaffen.

Solche Vereinbarungen sind immer dann möglich, wenn die notwendigen wirtschaftlichen Grundlagen im Unternehmen vorliegen. Auch im Sinne der Beschäftigungssicherung sind Investitionen zum Erhalt und zum Ausbau von Arbeitsplätzen unerlässlich.

Die Errichtung der neuen TDI-Anlage ist eine zukunftsweisende Investition, die der Betriebsrat sehr begrüßt. Gerade in dieser Zeit der Verselbständigung.

Eine solche Investition – Herr Dr. Dekkers hat es angesprochen – ist auch ein Bekenntnis zum Heimatstandort Deutschland und für den Chemiestandort Nordrhein-Westfalen. Die neue Anlage ist Beleg dafür, dass unser heimischer Standort sehr wohl wettbewerbsfähig ist – auch und gerade im internationalen Vergleich.

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Zum einen bietet der Chempark Dormagen eine für solche Produktionsanlagen hervorragende Infrastruktur und den entsprechenden Verbund. Und schließlich – das ist aus meiner Sicht besonders wichtig – haben wir in unserer Region hervorragend ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die eine solche Hightech-Anlage effizient und sicher fahren können. Wir sehen auch hier: Ausbildung lohnt und macht sich bezahlt.

Meine Damen und Herren,
ich will heute kein Wasser in den Wein gießen, aber lassen Sie mich als Vertreter der Belegschaft Folgendes anmerken:

Wenn ich eben von Planungssicherheit für die Kolleginnen und Kollegen gesprochen habe, so gilt es, diese gleichermaßen für unternehmerisches Handeln und für die damit verbundenen notwendigen Investitionen sicherzustellen.

Hier sehe ich gerade in den letzten Jahren am deutschen Standort einige Defizite in Politik und Gesellschaft.

Auch wenn wir uns hier im Lande gut aufgehoben fühlen können und als Unternehmen viel Unterstützung von der Politik z.B. bei der vernünftigen Befreiung der EEG-Umlage durch das Wirtschaftsministerium und bei der Umsetzung der heute zu eröffnenden TDI-Anlage erfahren konnten, so ist das leider nicht in allen wichtigen Projekten.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin mir nicht sicher, ob wir unter den heutigen Rahmenbedingungen den Zuschlag für diese Investition für den ansonsten so attraktiven Standort Dormagen erhalten hätten.

Für unternehmerische Planungssicherheit braucht es eine verlässliche Energiepolitik: d.h. klare kalkulierbare Risiken in Bezug auf die künftige Versorgungssicherheit, bezahlbare und wettbewerbsfähige Preise und vor allem konkrete und beständige Regularien sowie vernünftige Infrastrukturen.

Der Betriebsrat tritt gemeinsam mit dem Unternehmen dafür ein, dass verlässliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, der Industriestandort Deutschland nicht an Attraktivität verliert und Arbeitsplätze unnütz in Frage gestellt werden.
Es ist daher nicht zu akzeptieren, dass wir uns unternehmensintern um die Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bemühen, die dann durch äußere Einflüsse und z.B. durch abwandernde Investitionen in Frage gestellt werden können.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte aber auch betonen, dass für unsere TDI-Anlage die erforderlichen Genehmigungen in angemessener Zeit erteilt wurden und ein intensiver und konstruktiver Dialog zwischen allen Akteuren stattgefunden hat.

Ich danke allen Beteiligten, die an der Verwirklichung dieses Projekts mitgewirkt haben, der Politik, der Unternehmensleitung von Bayer Material Science und dem Vorstand der Bayer AG für dieses ermutigende Zeichen und die weise Entscheidung – für den Standort Dormagen und den Industrie- und Chemiestandort Nordrhein-Westfalen.

Vor allem möchte ich aber dem gesamten Team und allen Kolleginnen und Kollegen, die an der Entstehung dieser Anlage mitgewirkt haben, meine größte Hochachtung aussprechen. Ihr habt da wirklich einen richtig guten Job gemacht.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


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