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Dienstag - 9. Dezember 2014

Inbetriebnahme der TDI-Anlage in Dormagen

Aus den Ausführungen von Dr. Marijn Dekkers

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)

(2014-1518)

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Kraft,
Sehr geehrter Herr Landrat Petrauschke
und Herr Bürgermeister Lierenfeld,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,

Ich freue mich sehr, dass wir heute gemeinsam diese ganz besondere Inbetriebnahme feiern können. Sie ist ein Höhepunkt der mittlerweile 50-jährigen Dormagener TDI-Geschichte, denn:

Das Verfahren, das wir hier zur Herstellung des Vorprodukts für Polyurethan-Weichschäume einsetzen, ist ganz besonders effizient und umweltfreundlich.

Seit 2004 betreiben wir hier in Dormagen bereits eine kleine Pilot-Anlage für TDI. Auf dieser Basis konnten wir im Jahr 2011 im chinesischen Caojing zum ersten Mal eine Großanlage erfolgreich an den Start bringen, die mit der innovativen Gasphasen-Technologie arbeitet.

Die Anlage in China war wiederum das Vorbild für die neue Dormagener Groß-Anlage, die wir heute in Betrieb nehmen.

Rund 250 Millionen Euro wurden in diese Produktionsanlage investiert. Sie soll eine Kapazität von 300.000 Jahrestonnen haben und liefert den Rohstoff für bequeme Matratzen, weich gepolsterte und leichte Stühle und Autositze.

Diese Investition ist auch ein Bekenntnis zum Standort Deutschland – und zum Bundesland Nordrhein-Westfalen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir allein in Nordrhein-Westfalen im MaterialScience-Bereich mehr als eine Milliarde Euro in den Unterhalt und in den Ausbau der Produktion investiert.

Jetzt, mit der Großinvestition in unsere neue TDI-Anlage, setzen wir ein sehr sichtbares Zeichen.

Denn der Chempark Dormagen hat sich am Ende in einem europaweiten Auswahlverfahren durchgesetzt. Wir verfügen hier über die notwendigen Rohstoffe und Vorprodukte sowie über eine gewachsene Infrastruktur, auf der wir aufbauen können.

Und – ganz wichtig: Wir haben hier in Dormagen eine hochmotivierte und hervorragend ausgebildete Mannschaft.

Das sind alles Faktoren, die zeigen, dass dieser Standort ganz klare Vorteile bieten kann.
Aber niemand sollte sich darauf ausruhen.

Wir müssen in dem immer stärkeren globalen Wettbewerb auch in Zukunft hier Rahmenbedingungen vorfinden, die es uns ermöglichen, wettbewerbsfähig zu produzieren.

Nehmen wir die Energiewende. Das Ziel unterstützen wir alle, aber die Umsetzung der Pläne darf nicht zulasten der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und einer sicheren Energieversorgung gehen.

Die jährliche Belastung der deutschen Chemie-Industrie aufgrund der Förderung erneuerbarer Energien ist schon jetzt auf rund eine Milliarde Euro angestiegen.

Nur ein Beispiel: Trotz der Entlastungen bei der EEG-Umlage und der Stromsteuer, ist der Strompreis für unseren MaterialScience-Bereich in Frankreich fast 20 Prozent niedriger als in Deutschland, in den USA beträgt er sogar nur die Hälfte.

Das kann auf Dauer auch nicht nachhaltig sein – und hier müssen wir gemeinsam gegensteuern.

Meine Damen und Herren,
Sie alle wissen: Unser MaterialScience-Geschäft und Bayer gehen bald für beide vielversprechende, aber getrennte Wege. Bayer als Innovationsunternehmen von Weltrang bei den Life-Science-Geschäften – und MaterialScience als führendes Unternehmen bei den Polymeren.

Dabei sind Patrick Thomas und ich entschlossen, dies als weiterhin gute Nachbarn zu tun! Beide Geschäfte sind für die jeweilige Zukunft gut aufgestellt.

Mit der neuen TDI-Anlage hier in Dormagen macht MaterialScience einen weiteren wichtigen Schritt nach vorn und hat damit noch bessere Voraussetzungen, um als unabhängiges Unternehmen erfolgreich zu sein.

Bayer hat die Mission: “Science For A Better Life‘‘.

Als ein global führendes Life-Science-Unternehmen mit umfassender Erfahrung in Wissenschaft und Innovation setzen wir auch in Zukunft Maßstäbe bei der Verbesserung der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen.

Und auch MaterialScience spielt bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen eine wichtige Rolle, denken wir nur an den zunehmenden Wunsch nach Mobilität, an den zu steigernden Umweltschutz oder die weitere Schonung von knappen Ressourcen.

Zum Beispiel werden die Polyurethane, die aus MDI hergestellt werden, zur Gebäudedämmung eingesetzt und helfen damit, Energie einzusparen.

Unsere Polycarbonate werden unter anderem dafür verwendet, leichtere Fahrzeuge zu bauen und so den Spritverbrauch zu senken.

Und was haben viele Autos, Brücken und der Parkettboden in Ihrem Haus gemeinsam?
Sie werden wahrscheinlich von Hochleistungslacken geschützt, die aus Rohstoffen von MaterialScience hergestellt wurden.

Meine Damen und Herren,
vielen Verbrauchern ist gar nicht bewusst, welch große Rolle hochwertige Polymer-Werkstoffe im alltäglichen Leben spielen.

Ob beim Autofahren oder in den eigenen vier Wänden, bei der Arbeit oder beim Sport und in der Freizeit – sie sind immer beteiligt und machen das Leben leichter.

Wir alle brauchen diese Produkte, schätzen sie und wollen sie. Aber sie fallen nicht vom Himmel, sondern müssen irgendwo mit den modernen Verfahren der Chemischen Industrie produziert werden. Und hier stoßen wir immer wieder und immer häufiger auf Widerstände – gerade, wenn es um konkrete Bau- oder Infrastrukturprojekte geht.

Wir alle können hier dazu lernen und besser werden. Die Industrie muss sich weiter öffnen, sich das offenbar verloren gegangene Vertrauen zurückgewinnen. In vielen Bereichen der Kunststoff-Industrie ist das ja in den letzten 30 Jahren schon gut gelungen.

Und die Gesellschaft – wir sind selber Teil davon – muss wieder zu einer angstfreieren und weniger emotionalen Betrachtung der Risiken im Vergleich mit dem Nutzen finden.

Wir sind zu einem großen Teil verantwortlich für unsere Reputation, aber eben nicht alleine. Wenn wir nicht immer wieder die Bedeutung und Wichtigkeit der Chemie erklären und den Bürgerinnen und Bürgern den Nutzen der Chemie zeigen, werden sie es nicht wissen können.

Nur wenn man weiß, dass die Chemie dem Land Nordrhein Westfalen jede Menge Wohlstand und Jobs gebracht hat, kann man das auch wertschätzen.

Dazu gehören Arbeitsplätze bei Bayer, aber auch bei Zulieferern, in der weiterverarbeitenden Industrie und im Umfeld unserer Standorte.

Wir wollen auch weiter in NRW und in Deutschland investieren. Dafür brauchen wir aber eine solide öffentliche Akzeptanz und Planungssicherheit.

MaterialScience hat in diesem Sinne seit Beginn der Planung dieser Anlage im Jahr 2008 eine aktive Informationspolitik verfolgt. Dabei führte das Unternehmen eine Vielzahl von Gesprächen mit Umweltverbänden, Politikern, Anwohnern und Bürgervereinen in Dormagen, Monheim und Köln.

Dieser ehrliche und transparente Dialog mit der Öffentlichkeit war uns besonders wichtig und in unserer Wahrnehmung auch sehr erfolgreich.

Wie ich schon eingangs sagte, für die Schaffung der Akzeptanz sind wir in der Industrie primär selbst verantwortlich. Doch wir brauchen auch die Unterstützung durch Politik, Ministerien und Verwaltung.

Das Wirtschaftsministerium in NRW unterstützt uns mit der Initiative „Dialog schafft Zukunft“, an der wir uns als Unternehmen intensiv beteiligen. Die bisherigen Ergebnisse können sich sehen lassen:

So wurde ein „Werkzeugkasten“ entwickelt, der Unternehmen bei der Gestaltung guter Beteiligungsprozesse hilft.

Außerdem entstand ein „Bürgerleitfaden“ für Beteiligungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Minister Duin veranstaltet jedes Jahr einen Wirtschafts-Kongress, um mit Bürgern und Unternehmen über aktuelle Themen zu diskutieren.

Diese Diskussionen sind gut und hilfreich. Wünschenswert wäre aus unserer Sicht, sie in Zukunft mehr noch in den Kontext konkreter Infrastruktur- und Industrieprojekte zu entwickeln.

Wir müssen alle Beteiligten – Unternehmen, Regierung und Politik – noch besser zusammen bringen, um mehr Akzeptanz zu schaffen und Geschlossenheit bei den für die Zukunft von NRW wichtigen Themen zu demonstrieren.

Meine Damen und Herren,
Ich habe dieses Jahr die VCI-Präsidentschaft übernommen. Die Energiewende ist dabei ein wichtiges Thema für mich, aber genauso wichtig ist Forschungsförderung. Beide sind wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.

Wir setzen uns schon lange dafür ein, in Deutschland eine steuerliche Forschungsförderung einzuführen. Das würde die Innovationskraft Deutschlands stärken und zusätzliches Wachstum bringen, gerade im Bereich des innovativen Mittelstands. Viele andere Länder nutzen dieses Instrument schon.

Ich hoffe, dass wir auch hier bald Fortschritte machen.

Zum Schluss möchte ich mich nun bei allen bedanken, die so viel geleistet haben, damit wir heute alle an dieser bedeutenden Inbetriebnahme teilnehmen können.

Vielen herzlichen Dank!

Ich bin sehr stolz auf das, was hier geleistet wurde.

Und ich freue mich über die Möglichkeiten, die diese Anlage für MaterialScience und NRW bietet.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.